Wohnungsbau & Infrastruktur

Kommunalpolitik

Ausweislich der Kommunalstatistik aus dem Jahr 2008 lässt sich auch für Hemmingen eine stagnierende oder gar rückläufige Bewohnerzahl nicht mehr wegdiskutieren. Dass sich gleichzeitig der Trend zu kleineren Haushalten und zur Erhöhung des Wohnraums je Person fortsetzte, ist wohl eine angenehme Begleiterscheinung. Ob es Sinn macht, diesem Trend durch Ausweisung neuer Baugebiete entgegenzuwirken ist nicht erst in jüngster Zeit in der Diskussion.

Die SPD Hemmingen hat schon zu Beginn der aktuellen Diskussion um das Baugebiet "Hälde" darauf verwiesen. Bereits in den 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts und in regelmäßigen Abständen in der Folgezeit haben SPD und SPD Gemeinderäte in diversen Ausgaben der Raspel, im Gemeindeblatt, in Diskussionsrunden und im Gemeinderat gebetsmühlenhaft auf diese ihrer Ansicht nach erkennbare Fehlentwicklung hingewiesen und sich dabei häufig nur Hohn und Spott eingehandelt.

Ein Blick auf die Entwicklung vieler ländlicher Gemeinden, besonders im Osten Baden-Württembergs bestätigt längst diese Bedenken. Dort haben sich in etlichen Städten und Gemeinden vielfach infolge eines über Jahre hinweg ungebremsten Baubooms auf der grünen Wiese massive Rückgänge an Bewohnern und damit Wohnungsleerstände in den alten Ortskernen entwickelt. Diese wirken sich dort jetzt im Zuge des gleichzeitig einsetzenden Bevölkerungsschwundes (bedingt durch die allgemeine demografische, aber auch wirtschaftlich negative Entwicklung der Region) als besonders verheerend auf die innerörtliche Infrastruktur aus. Vielleicht haben die Gemeinden im sog. Speckgürtel um Stuttgart das Glück, dass sich eine insgesamt positivere Entwicklung ergibt. Sicher ist das jedoch nicht.

Die SPD hat der Gemeinde Hemmingen stets eine Entwicklungsplanung „innen vor außen“ das Wort geredet. Die Ortskernsanierung im Rundling hat von Ausnahmen abgesehen zu guten Ergebnissen geführt. Dies ist bei der Ortskernsanierung II, so sie denn energisch fortgeführt wird, auch zu erwarten. Ein Siedlungsansatz außerhalb des Ortskerns wird nach wie vor im Süden gesehen, sofern er so, wie jetzt im Baugebiet „Östlich der Neuen - Schöckinger Str.“ moderat durchgeführt wird.

Die im Grundsatz, gegen die Stimmen der SPD - Räte, be-schlossene Erschließung des Restbaugebietes "Hälde", wird den oben genannten Trend zu einer rückläufigen Bevölkerungszahl nicht aufhalten, sondern bestenfalls ein paar Jahre aufschieben. Ob und wie sich diese Erschließung und die nachfolgende Bebauung der "Hälde" auf die Struktur der Ortsmitte und der angrenzenden Wohngebieten auswirken wird, darf mit Spannung erwartet werden.

Eberhard Seidel