Schwieberdingen verweigert die gemeinsame Werkrealschule

Kommunalpolitik

Auf der Suche nach Plan B

Landesweit will der CDU-Kultusminister 400 Hauptschulen schließen, um Geld zu sparen. Er macht das allerdings nicht selbst, er überlässt es den Gemeinden. Dass sie das auch tun, verlangt er eine stabile Zweizügigkeit an der Hauptschule, wenn sie Werkrealschule werden will. Gemeinden in der Größe von Hemmingen ist das nur noch möglich, wenn sie Schüler aus Nachbargemeinden aufnehmen können.

Schwieberdingen will weiter eine eigenständige Hauptschule, andere Nachbargemeinden, wie Eberdingen, senden ihre Schüler an andere Schulen.

Als ich in der letzten RASPEL auf die ablehnenden Gründe aus Schwieberdingen hinwies, waren alle Lehrer an der Hemminger Schule entsetzt. Auch ein „Runder Tisch“ der Schule diente mehr der Selbstbeweihräucherung, als der Aufarbeitung von Argumenten und der Erarbeitung von Strategien. Nur beiläufig war zu erfahren, dass es bereits 2009 nicht mehr für ein 10. Schuljahr gereicht hat, weil offenbar die Schwieberdinger geblockt haben. Aber das wird nur als „Betriebsunfall“ gesehen.

Jeder, der sich mit der Situation beschäftigt wird der Hauptschule Hemmingen eine gute Arbeit bescheinigen, auch ich. Das reicht aber nicht, um auch Kinder aus Schwieberdingen nach Hemmingen zu locken, weil auch dort gut gearbeitet wird. Es wird auch nie-mand in Abrede stellen, dass sich die Lehrer in den letzten Jahren viele Gedanken zur Verbesserung des Unterrichts gemacht haben. Die breite Öffentlichkeit hat dies jedoch nie erfahren, was im End-bericht zur Fremdevaluation vom Dezember 2008 nachzulesen ist.

Was wir gebraucht hätten, wäre ein Kooperationsmodell mit der Realschule in Schwieberdingen gewesen, das integrierte Unter-richtsformen in den Klassen 5 und 6 zwischen Hauptschule und Re-alschule mit Standort in Hemmin-gen zugelassen hätte. Erforderlich wäre auch gewesen, dass die Hemminger Hauptschule den Ruf erworben hätte, eine Schule zu sein, in dem es keinen „Abschluss ohne Anschluss“ gibt. Dies hätte vorausgesetzt, dass sich auch die Gemeinde um die Bewerbungschancen der Abschlussschüler hätte kümmern müssen.
Falls, wie angekündigt, der Schwieberdinger Gemeinderat noch im November eine gemeinsame Werkrealschule mit Standort in Hemmingen ablehnt, sind wir allerdings nicht am Ende, wie es einige Gemeinderäte schon gesehen haben. Plan B kann dann nur so aussehen:
Hemmingen beantragt ein Modellvorhaben, in dem die einzügige Hauptschule um einen Realschulzug erweitert wird, damit in Hemmingen ein normaler Realschulabschluss gemacht werden kann. Das wird die Kultusverwaltung zwar anfangs ablehnen, aber auf Dauer nicht verhindern können. Es gibt noch viele Gemeinden in Baden-Württemberg, die ähnliche Standortnachteile wie Hemmingen haben. Daher werden wir mit unserem Problem nicht allein sein. Dieser Antrag erfordert natürlich Mut und Ausdauer, denn es werden Dinge angegangen, die nicht in die Beamtenschablone passen. Ein Bildungsaufbruch wäre es allemal.

Wolfgang Stehmer MdL