"Junge Weikersheimer" und "Alte Kämpfer"

Bundespolitik

Weikersheim, eine reizvolle Stadt im Main-Tauber-Kreis beherbergt ebenso wie Hemmingen ein Schloss. Auch die Einwohnerzahl ist vergleichbar. Ansonsten aber erweckt der Name "Weikersheim" eine andere Assoziationen, war das dortige Schloss doch über lange Jahre hinweg das Zentrum des vom früheren Ministerpräsidenten Filbinger gegründeten Studienzentrums Weikersheim (SWZ). Das SWZ bezeichnete sich stets selbst als "Konservative Denkfabrik". In Wahrheit aber waren und sind die Konturen dieser Institution zum rechten politischen Rand unscharf. Viel-fach rekrutierte das SWZ seine Referenten aus dem allgemeinen politischen Spektrum, ließ aber immer wieder merkwürdige Veranstaltungen und krude Referenten zu, welche dem SWZ zu dem Ruf verhalfen, eine rechte "Kaderschmiede" zu sein. Namen wie Günter Rohrmoser oder Rolf Schlierer von den Republikanern und der frühere RAF Angehörige und jetzige NPD-Aktivist Horst Mahler u.v.a. untermauern dies.

Der Bundestagskandidat der CDU im Kreis Ludwigsburg Steffen Bilger hat im Jahre 2004 die sich wohl in Auflösung befindliche Jugendorganisation des SWZ als "Junge Weikersheimer" (JW) neu gegründet und war Vorstand, möchte aber jetzt nicht mehr an diese Zeit seines politischen Da-seins erinnert werden. Jedenfalls verschweigt er auf seiner ansonsten sehr ausführlich gestalteten Homepage beharrlich seine damaligen Aktivitäten.

Ob Herr Bilger in diese Organisa-tion "hineingerutscht" ist oder er, wie zuletzt behauptet, dort auf Bitten prominenter politischer Persönlichkeiten tätig wurde, ist unerheblich. Auch der Umstand des unrühmlichen und unfreiwilligen Rücktritts vom Vorstandsposten der JW auf Drängen der CDU, nachdem er im Jahre 2007 den verunglückten Nachruf Oettingers bei der Trauerfeier des verstorbenen Herrn Filbinger als "befreiende Klarstellung" noch zu einem Zeitpunkt lobte, als jener bereits zurück gerudert war. Ob der Geschmacklosigkeit nicht genug, hatte man gleichzeitig den Bundeswehrgeneral Günzel, der dem später aus der CDU und deren Fraktion exportierten MdB Hohmann zu dessen antisemitischer Rede gratuliert hatte, ausgerechnet zum 20. April, also Hitlers Geburtstag, zu einem Referat nach Weikersheim eingeladen.
So verwundert es nicht, dass der Kandidat das Internetforum abgeordnetenwatch.de zwar als positives Diskussionsforum betrachtet, zugleich aber die sachlich fundierte Anfrage eines Bürgers als parteipolitische Agitation geißelt und die eigene Tätigkeit im SWZ auf oppor-tunistische Weise herunterspielt, aber gestellte Fragen nicht beantwortet.

Schließlich wird die unbotmäßige Presse als Schuldige des Schlamassels ausgemacht, trotz des zuvor großzügig angekündigten Verzichts auf "Negativ-Campaignings" im Vorfeld der Bundestagswahl.

Eberhard Seidel