Ende der Werkrealschule?

Kommunalpolitik

Wer setzt sich durch bei der der Werkrealschule, Schwieberdingen oder Hemmingen?

Wer die Bildungspolitik im Lande beschreiben sollte, würde zu folgendem Schluss kommen: Die Universitäten und die Wirtschaft fordern bessere Allgemeinbildung in den Grund- und Hauptschulen, der Bundespräsident einen Ruck durch Deutschland, der Kultus-minister des Landes ist völlig überfordert und kündigt die 99. Reform der Reform an, die Lehrer sind genervt und die Kommunen sind ratlos, weil sie sowohl finanziell, als auch intellektuell überfordert sind.

Dennoch entschließt sich die Gemeinde Hemmingen zu einem Schulsanierungs- und Ausbaupro-gramm von rd. 7,8 Mio. Euro für einen Zeitraum von 2001 bis 2010. Das ist auch für eine gewerbesteuerstarke Gemeinde wie Hemmingen viel Geld. Daher müssen sich die Bildungsin-vestitionen auch in mehr Chancen für die Hemminger Kinder und Jugendlichen niederschlagen.

Doch gerade da kommen Zweifel auf, wenn wir die Entwicklung der letzten Monate betrachten. Der Landtag hat mit den Stimmen von schwarz/gelb das Schulgesetz geändert und eine Werkrealschule neuen Typs eingeführt. Diese soll nun die Hauptschulen retten. Sie baut auf die Grundschule auf und umfasst sechs Schuljahre. Im sechsten Schuljahr werden die Schüler auch an den Berufsfachschulen unterrichtet. Somit soll sie eine besondere berufliche Orientierung schaffen.

So die Theorie. In der Praxis muss man eher skeptisch sein. Das Konzept ist zwar nicht gut, weil es eine grundlegende Bildungsreform verhindert, aber besser als das der bisherigen Hauptschulen. Der Haken daran ist, dass Werkrealschulen des neuen Typs grundsätzlich mindestens zweizügig sein müssen. Das ist die Hemminger Hauptschule nicht mehr, seit die Heimerdinger Schüler in Ditzinger Hauptschulen gehen.
Was bleibt, ist nur eine Fusion mit der Hauptschule Schwieberdingen. Die Schwieberdinger sind zwar in der gleichen Lage wie wir, wollen aber ihre Schule am Standort behalten. Bis 15. 12. 2009 müssen die Gemeinden entschieden haben, sonst droht ab dem Schuljahrgang 2010 ein Ausbluten der Hemminger Hauptschule, weil die Eltern die Schule ihrer Kinder künftig selbst aussuchen können. Wir brauchen daher dringend Argumente für den Standort Hemmingen. Ein Argument ist, dass Schwieberdingen die gemeinsame Realschule hat, daher sollten wir dran sein, bei der Werkrealschule. Ein weiteres Argument ist, dass wir bereits 10 Jahre Werkrealschulabschlüsse angeboten haben.

Doch reicht das? Das von Hemmingen angebotene Schulkonzept ist dürftig, die Ganztagsschule ist nur halbherzig eingeführt worden und die Stimmung der Eltern ist schlecht. Dies rührt auch daher, weil sie oftmals mit den Grundschulempfehlungen der Hemminger Schule nicht einverstanden sind (s. unten „Sind unsere Kinder dümmer?). Es rächt sich jetzt, dass die konservative Gemeinderatsmehrheit seit Jahren das von der SPD beantragte Schulentwicklungskonzept abgelehnt hat. Wir fordern deshalb einen Bildungsaufbruch mit neuen Konzepten an der Hemminger Schule die auch für die Schwieberdinger Hauptschüler attraktiv sind. Denn sonst kommen diese Kinder nicht zu uns, auch wenn beide Gemeinden das beschließen sollten.

Wolfgang Stehmer MdL